Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Seit Herbst 2013 gibt es endlich ein Landesprogramm zur Förderung einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung“!

 Im Projekthaus Potsdam ist dies schon lange ein wichtiger Schwerpunkt unserer Bildungsarbeit. An dem Programm beteiligen wir uns mit dem Projekt: „Nachhaltigkeit erleben!“.

Die Grundidee unserer Bildungsprojekte ist es, Modelle nachhaltigen, ökologischen und solidarischen Arbeitens und Produzierens zu entwickeln und praktisch auszuprobieren. Bildung für nachhaltige Entwicklung macht für uns nur Sinn, wenn wir alle Dimensionen der Nachhaltigkeit gleichrangig beachten! Bildung muss für uns praktisch erlebbar sein!

Damit verstehen wir uns als Teil einer globalen Bewegung, welche die heutigen Formen von Wirtschaftswachstum auf Grundlage der rücksichtlosen Ausbeutung von Menschen und Naturressourcen für verhängnisvoll für den Fortbestand des Planeten hält. Wir denken, es gilt vor Ort  Alternativen zu erproben, die regionale Kreisläufe nutzt, statt Waren nur dort zu produzieren, wo es am billigsten ist, wir denken, es ist möglich, mit natürlichen Materialien zu arbeiten und ökologisch anzubauen, wir denken, Menschen sollten der Wert von Arbeit und Produktion wieder sehen und spüren können, indem sie selbst tätig werden.

Dafür wollen wir neue Bildungsangebote im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung entwickeln. Mit unseren KooperationspartnerInnen werben wir dafür, in Nachhaltigkeitsstrategien und bei der Qualifizierung von Bildungsangeboten auf diesem Gebiet die Kritik an den aktuellen Formen von Produktion und Konsum mit neuen, konkreten Konzepten solidarischer und ökologischer Ökonomie zu verbinden.

Wenn wir Nachhaltigkeit ernst nehmen, können wir nicht mehr auf Massenproduktion und Wachstum setzen, kann es nicht mehr darum gehen, unsere Modelle von Konsum und renditeorientierter Produktion auf die gesamte Welt zu übertragen, müssen wir mit der Entfremdung von Arbeit und Konsum Schluss machen.

Die Kritik auf der einen Seite und das Ausprobieren neuer Modelle auf der anderen Seite kann kein ausschließlich theoretischer Bildungsprozess sein. Wir wollen den vielen praktischen Erfahrungen und Projekten Raum geben, in denen Menschen wieder anfangen, Gemüse selbst zu produzieren, Möbel selbst herzustellen, ihre Fahrräder selbst Großstadttauglich machen, zu recyceln oder „upcycling“ zu betreiben.

Das heißt, es geht darum regionale Konzepte und praktische Projekte zu verbinden und dafür zu sorgen, dass sie öffentliche wahrgenommen werden. Das geht am besten über Bildung. Gleichzeitig wollen wir immer wieder den globalen Charakter dieser Kritik und Bewegung deutlich machen.

„Urbane Gärten“ gab es zuerst in New York und Detroit, regionale Wirtschaftskreisläufe haben die Menschen in Argentinien nach der Staatspleite 2001 entwickelt, Subsistenzwirtschaft die die Grundlage vieler Menschen in Afrika, aus solidarischer Basis arbeiten Kooperativen in Mexiko und Kolumbien. Wir müssen hier in Brandenburg „Nachhaltigkeit“ nicht neu erfinden, es gibt solche Konzepte überall auf der Welt!

Und oft sind sie aus der Kritik an den Modellen „westlicher“ Wirtschafts- und Lebensmodelle entstanden, die wir auch hier in Brandenburg vertreten. Wirklich glaubhaft wird „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ erst, wenn sie alle Ebenen der Nachhaltigkeit miteinander verbindet und auch schwierige Themen einbezieht, wie die Massenproduktion in der Landwirtschaft (welche lokale Modelle der Selbstversorgung kaputt macht), die Energieerzeugung aus der Verstromung von Braunkohle oder die Frage, wie unsere Shirts, Smartphones oder Spielzeug tatsächlich hergestellt werden.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unsere Kurse und Workshops genau an diesen Stellen glaubhaft und sinnvoll werden: Wenn wir mit Kindern Holzspielzeug selbst herstellen und ihnen dabei vermitteln, wie dies sonst in China passiert, wenn wir Kleidung „upcyceln“ und uns dabei klar machen, unter welchen Bedingungen heute in Bangladesh Textilien produziert werden, wenn wir unser eigenes Gemüse auf den Permakulturen ernten im Bewusstsein, damit auf die künstlichen und genetisch veränderten Kulturen aus Almaria in Spanien verzichten zu können.

Wir halten es für wichtig, dass Menschen so lernen, so ihren Alltag erleben, dass ihnen die Möglichkeit gegeben wird, auch mit den eigenen Händen tätig zu sein, körperlich zu arbeiten und praktische und lebendige Erlebnisse und Ergebnisse ihrer Tätigkeit sehen und spüren zu können. Dies ist Teil unserer Idee von Eigenarbeit und Naturerlebnissen und beruht auf der Analyse, dass viele Menschen oft ausschließlichen Kopfarbeit über digitale Medien betreiben und kaum noch Bezüge zur Natur und zur Produktion der materiellen Güter haben, die sie täglich gedankenlos konsumieren. Dadurch entstehen einfache Weltbilder, kulturelle und soziale Entfremdungen sowie Resignation und Anpassung an einen Lebensstil, der global und ökologisch so nicht potenzierbar ist.

Dem wollen wir Ideen der Subsistenz, der Nachhaltigkeit und der gerechten Verteilung und Nutzung von Ressourcen entgegensetzen, theoretisch und praktisch.

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Nachhaltigkeit erleben! 

Eine Reise durch eine andere Welt.

„Vor, während und nach Rio plaudert der umweltbewusste Mensch in unseren Breitengraden gern über Ozonlöcher, Artensterben, Bevölkerungsexplosion, Regenwaldvernichtung, Klimazerstörung. Wir sind sehr besorgt um die Erde, jedem Gräslein gehört unser Mitleid, gerührt schauen wir am Bildschirm dem Robbenbaby ins Auge, mit tiefen Gefühlen gleiten wir auf der Autobahn durch die Wälder. Vorwurfsvoll auf rauchende Fabrikschornsteige weisend steigern wir unseren Lebensstandard. Im Fernsehen werben junge Mittelstandsmuttis für Mittelstandswagen mit dem Hinweis auf die Kinder, die einst fragen könnten, was wir für die Umwelt getan haben.“, schrieb 1992 Bruno Preisendörfer in der Zeitschrift „Zitty“ als Replik auf die Konferenz in Rio de Janeiro. In Rio wurde der Begriff der Nachhaltigkeit geboren.

Heute betreiben wir alle „Bildung für nachhaltige Entwicklung“: Konzerne, PolitikerInnen, Banken und auch unser Projekthaus, aber wissen wir, was wir da tun? Oder ist das genauso scheinheilig wie es Preisendörfer 1992 beschrieb „Wenn Erste Welt – Bewohner das Wort „Öko“ in den Mund nehmen, kommt Müll heraus. Wie also kann Bildung für nachhaltige Entwicklung tatsächlich nachhaltig wirksam werden? Nicht nur hier bei uns im reichen Norden, sondern auf der ganzen Welt? Nicht nur als werbewirksame Phrase, sondern als reale Veränderung im Alltag!?

Dafür laden wir Euch herzlich ein, zu einer:
Reise durch eine andere Welt!

 Wir haben aus diesem spannenden Thema eine gemeinsame Broschüre mit vielen interessanten PartnerInnen und AutorInnen gemacht.

Hier könnt ihr sie bestellen und/ oder downloaden!