10.12.2017 19:41

Refugee workfair

„Refugee workfair“ ist ein Projekt, mit welchem wir seit einigen Monaten die Arbeitsintegration Geflüchteter untersuchen und unterstützen.
Schwerpunkt unserer bisherigen Aufgaben war es, die Situation in der Region zu analysieren und Beratungs – und Unterstützungsangebote zu organisieren.

Dabei gibt es einige klare und schwierige Analyseergebnisse.

Von den rund 40.000 geflüchteten Menschen, die nach Aussagen der Bundesagentur für Arbeit in der Region einer Arbeit nachgehen könnten, haben in Brandenburg bisher gerade einmal 2.300 eine Arbeit gefunden. Wobei auch diese nicht alle sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Fast alle arbeiten in Bereichen, welche in der Regel zu den geringer bezahlten Berufen zählen – Gastgewerbe, Reinigung, Wachschutz etc.

 

Ein großes Problem ist nach unserer Einschätzung, dass viele Geflüchtete relativ schnell arbeiten wollen und müssen, um Geld für die Familien zu verdienen, wozu sicher auch die Finanzierung eines Familiennachzugs oder die Unterstützung der Familien zu Hause oder auf der Flucht gehört. Gleichzeitig müssten sie für gute Arbeit und eine bessere Bezahlung eigentlich viel länger Sprachkurse und Ausbildungen besuchen. Dieser Widerspruch führt dazu, dass viele Geflüchtete jede Arbeit annehmen, egal, wie schlecht und unfair sie ist.

Dazu kommt, dass dass viele Arbeitsintegrationsmaßnahmen auf die Menschen mit einer sogenannten „Bleibeperspektive“ konzentriert sind. Da seit 2015 viele Asylgesetzgebungen verschärft worden (Liste der sicheren Herkunftsländer), die Anerkennungsquote stark sank (auf aktuell 43 %), Menschen aus Afrika oft kaum Anerkennungschancen haben, ist die Zahl der Menschen mit einem ungesicherten Aufenthaltsstatus stark gestiegen. Diese haben viel schwerere Zugänge zum Arbeitsmarkt, brauchen zusätzliche Genehmigungen, werden teilweise von Sprach – und Integrationskursen ausgenommen. Diese stark wachsende Gruppe, welche nur mit einer Duldung hier leben, aber oft genug klare Abschiebehindernisse vorweisen können, ist vom regulären Arbeitsmarkt fast ausgeschlossen. Hier ist der Hauptansatz für einen halblegalen, oft illegalen Arbeitsmarkt – das haben unsere Recherchen ergeben. Für Unternehmen ist es oft billiger, leichter und mit weniger rechtlichen Auflagen verbunden, wenn sie einfach Menschen ohne sichere Perspektive beschäftigen.

Wir unser Projekt haben wir in den letzten Monaten mit verschiedenen PartnerInnen zusammengearbeitet.

So haben wir im August einen Themen und Informationsarbeit mit MitarbeiterInnen unterschiedlicher Fachstellen organisiert, haben im September mit 25 Geflüchteten an Touren im Rahmen der Wandelwoche Brandenburg teilgenommen und dabei auch mögliche Arbeitsstellen mit fairen und solidarischen Bedingungen kennen gelernt.

Am Ende des Jahres wollen wir gemeinsam mit Geflüchteten und SoLaWi-Aktivist*innen in das Projekt „Wukania“ im Barnim, um bereits bestehende Projekte zu besuchen. Außerdem finden seit Oktober regelmäßige Treffen und Beratungstermine mit dem neuen Verein NeMIB statt, dessen Gründung wir maßgeblich mitinitiiert haben und in dem sich Geflüchtete und MigrantInnen selbst organisieren und bilden.

An dieser Stelle zuletzt noch Kontakte für Beratung und Unterstützung bei Fragen der Arbeitsintegration in der Region:

  • Fachstelle Arbeitsmarktpolitik und Beschäftigungsförderung, Haus 7
    Hegelallee 6 – 10, 14467 Potsdam, Di. 09:00 – 12:00 Uhr und 13:00 – 18:00 Uhr und Do. 09:00 – 12:00 Uhr und 13:00 – 16:00 Uhr, Tel. +49 331 289-1521, Fachstelle-Arbeitsmarkt[at]Rathaus.Potsdam.de

  • ARBEIT UND LEBEN DGB/VHS Berlin-Brandenburg Fachstelle „Migration und Gute Arbeit“, Breite Str. 9a, 14467 Potsdam, Öffnungszeiten: 10:00 – 16:00, Tel. 0331 27357998, info[at]rightsatwork.de

  • Welcome Integration Networks (WIN) – IHK, Breite Straße 2 a-c, 14467 Potsdam, Montag bis Donnerstag: 8:30 - 17:00 Uhr, Freitag 8:30 - 15:00 Uhr, Tel. 0331 2786-439, yvonne.meyer[at]ihk-potsdam.de

 

Unser Projekt wird gefördert von der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt.